Plymouth-Limousine von Chrysler, das erste Auto, das Arthur
Hahn in Amerika fuhr










 




  
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Hannelore Hahn über die Schwierigkeiten
ihres Vaters Dr. Arthur Hahn, mit seiner
US-amerikanischen Umwelt klar zu
kommen (On the Way to Feed the Swans):
"In Amerika war mein Vater immer müde. Er
kam aus dem Büro völlig abgespannt nach
Hause, aß sein Abendbrot und stellte das
Radio an, um „Major Bowes“ oder
„Gangbusters“, seine Lieblingssendungen, zu
hören. Mein Vater war eigentlich ein sehr
ehrgeiziger Mann. Darum kam es mir seltsam
vor, dass er im Land der ehrgeizigsten
Männer anscheinend keine Zukunft sah.
Während ich versuchte, mich in die
Schablone des neuen Landes zu zwängen, der
Fahne Treue zu versprechen, Girl-Scout-
Kekse zu verkaufen, Quadratknoten zu
binden, klinkte sich mein Vater langsam aus.
Seine Ambitionen waren in Europa Realität
geworden. Dort hatte er die Leiter des
Erfolges beschritten. Aus einem kleinstädtischen Milieu stammend, wurde er
Teilhaber in einer internationalen Firma. Aber in Amerika bedeutete dieses alles nichts. In Amerika wurde die Vergangenheit ausgewischt wie die Kreide auf den Schiefertafeln.
Dieses Auslöschen der Vergangenheit war
ohne Zweifel ein Segen für die Millionen, die
keinen vergangenen Ruhm mit sich
herumschleppten, aber nicht für meinen Vater. Er hatte einen Status in Europa
erreicht, der hier keine Anerkennung fand,
und er wollte seine europäischen PRIVILEGIEN behalten.
Der Drang, seinen Status zu betonen, zeigte
sich darin, daß er darauf bestand, mit „Dr.
Hahn“ angesprochen zu werden. Es ist wahr,
er verdiente sich diesen Titel an der
juristischen Fakultät der Universität Würzburg mit einer Dissertation über die Rechte von Kriegsgefangenen, aber in Amerika wurden die Rechtsanwälte nicht „Dr.“ genannt. Dazu kam, dass mein Vater nie als Rechtsanwalt gearbeitet hatte. Deshalb war das Tragen eines solchen Titels in dem neuen Land sogar noch unberechtigter.
In dem Land des Pragmatismus wurde ein
Titel ohne Ausübung des Berufes nicht ernst
genommen. In einer Demokratie gibt es keine
Posten ohne Verantwortung.
Kein Wunder, daß mein Vater sich mit
Leuten aus der alten Welt umgab, die jetzt
in Washington Heights im nördlichen
Manhattan wohnten. Sie kamen sonntags
haufenweise zu Besuch, nahmen einen Bus
über die George Washington Bridge und
erfreuten sich an einem Tag auf dem Land,
wie sie es nannten.
Auch in geschäftlichen Angelegenheiten
verließ sich mein Vater auf seine
ausländischen Kontakte. Dank seiner
Verkaufskunst florierte die National Malting
Company, obwohl seine Kunden nicht die
heimischen Brauer waren. Neunzig Prozent
unseres Malzes wurden an deutsche und
lateinamerikanische Brauer in/ aus Brasilien,
Argentinien, Nicaragua und Honduras
verkauft.
Eines Tages kam mein Vater aus Nicaragua
mit einem neuen Titel zurück. Er war nun
„Konsul Dr. Arthur Hahn“. Der Titel war
ehrenamtlich und trug keine Ministermappe,
aber er erlaubte ihm, den amerikanischen
Schmelztiegel zu umgehen.
Die einzige Konzession in der Neuen Welt
gegen die Abneigung, gewisse Dinge selbst
zu tun, machte mein Vater in Hinblick beim
Autofahren. Unser erstes Auto war ein
schwarzer Plymouth Sedan. Jeden Sonntag
fuhren wir aus der Stadt heraus,
normalerweise Richtung Bear Mountain."
  
"Die einzige Konzession in der Neuen Welt gegen die Abneigung, gewisse Dinge selbst zu tun, machte mein Vater beim Autofahren. Unser erstes Auto war ein schwarzer Plymouth Sedan. Jeden Sonntag fuhren wir aus der Stadt heraus, normalerweise Richtung Bear Mountain."
(Hannelore Hahn, On the Way to Feed the Swans, 1982)
 
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