Dann kam `39, und die Wolfs waren
fertig auszuwandern. Sie hatten ja nur
den kleinen Jungen. Ich hatte gute
Bekannte in Hamburg - das waren
auch Freunde von Wolfs - und die
hatten Familie in England. Die
wohnten in England, hat nichts mit
Hitler zu tun. Die hatten Betriebe in
jedem Land, in Frankreich, in
Deutschland. Das war ein Import-Export-Geschäft mit Obst. Es waren
mehrere Brüder, die suchten
jemanden für den Haushalt. England
hat niemanden aufgenommen, nur als
Hausangestellte und Kindertransport.
Das war alles.
Meine Eltern wollten ja auch raus,
aber nicht als Hausangestellte. Mein
Vater war zu alt, sonst hätte ich ihm
helfen können. Und meine Mutter
wollte ihn nicht alleine lassen. Also
jedenfalls haben diese Menschen mich
engagiert als Hausangestellte und ich
war glücklich, nur `rauszukommen.
Denn ich hatte ja keine Heimat mehr.
Die Wolfs sind zwei Wochen vor mir
erst nach England und dann von
England aus nach Amerika.
Ich bin dann geblieben bis den Tag
vorher, wo ich auf das Schiff bin, um
nach England zu fahren. Ich bin die
Nacht durchgefahren, morgens dann in
Hamburg angekommen und dann aufs
Schiff.
Jedenfalls konnten wir keinen
Schlafwagen mehr bekommen als Jüdin.
Da hat mein Onkel mir das Billet
gekauft, 1. Klasse, damit ich etwas
Ruhe habe. Sie waren alle am Bahnhof
und wir haben uns verabschiedet. Ich
war ganz allein in einem Abteil mit
einem Mann, der war in Uniform. Ich
weiß nicht, was er war, hab’ mich nicht
drum gekümmert. Hab’ natürlich sehr
geweint und hab’ mich dann beruhigt.
Das war ein D-Zug. Der Mann ging aus
dem Zug raus und als er bei mir
vorbeikam, hat er zu mir gesagt: „Gehen
Sie ins Ausland?“ Da hab’ ich gesagt:
„Ja.“ Und da hat er gesagt: „Viel Glück!“
Der war in einer Uniform, aber sie waren
ja nicht alle Nazis.
So, dann bin ich nach Hamburg
gekommen und bin dann von da aus aufs
Schiff.
"Ich war glücklich
nur 'rauszukommen,
denn ich hatte ja
keine Heimat mehr."
Link: (Details zu Kindertransport)