In der Bezirksschule in Burghaun blieb Alfred etwa ein Jahr. Danach, so erinnert er
sich  haben mich meine Eltern nach Kassel in das jüdische Waisenhaus in der Giesbergstraße 7 gebracht, um dort regelmäßig Schulunterricht zu bekommen. Der Name des Direktors war Heilbrunn. Ich war dort alleine ohne meine Geschwister. Gertrud ging ja noch nicht zur Schule, und an Emilie kann ich mich nicht erinnern. Wahrscheinlich ging sie weiter nach Burghaun. Mein Cousin Ernst Goldner von Gersfeld, der Sohn von Tante Toni, war auch in Kassel und ein Berthold Schlesinger aus Naumburg, von wo meine Mutter her kam. An der Kristallnacht kam mein Großvater nach Kassel und hat mich zurückgebracht nach Hünfeld. Dort habe ich noch die Synagoge brennen sehen. In Kassel hatten wir nichts mitbekommen von dem, was draußen vor sich ging, wir waren ja ganz isoliert. Später hatten wir Unterricht im Haus meiner Eltern. Nach dem Unterricht zu Hause lud meine Mutter den Lehrer Adler zu Kaffee und Kuchen ein. Da erinnere ich mich an eine kleine Begebenheit: Einmal sagte meine Mutter:  'Herr Lehrer, nehmen Sie doch noch ein Stück Kuchen'. Lehrer Adler lehnte ab. 'Nein danke, ich hatte schon ein Stück'. Da hab ich gesagt: 'Aber nein, Herr Lehrer, Sie haben schon zwei Stücke gegessen.'  Er sollte sehen, dass ich auch aufpasse.
   
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Laut amtlicher Meldekarte hielt sich Alfred vom 15. August 1938 bis zum 23. Dezember 1938 als Schüler im Kasseler Waisenhaus auf.
Leben unter dem Hakenkreuz bis zur "Kristallnacht"