Gertrude Eckert (*1919) erinnert sich:
Für das Laubhüttenfest wurde eine Laubhütte hergerichtet. Früher baute man die jedes Mal
neu auf, später wurde sie auf der Waschküche fest installiert. Zwischen Wohnhaus und
Warenlager stand die Waschküche, aber nur ein Stockwerk hoch, und da drauf war die
Laubhütte. Die Laubhütte wurde geschmückt mit Laub und ich glaube auch mit Blumen. Acht
Tage lang fand ja alles in der Laubhütte statt. Ja, natürlich durfte ich als Kind auch mit rein,
ich war doch das “Schätzchen”.
An Schabbes war es üblich, dass sich die Familien gegenseitig besuchten, am Nachmittag.
Morgens ging man in die Synagoge. Die kleine Milly sagte: “Papa is in die Goge”. Die
Regeln für den Schabbes wurden streng eingehalten, der Joseph war sehr religiös. Freitag
Abend brannte unten im Hausflur immer ein Lämpchen mit Kerze, das brannte die ganze
Nacht. Nun war es bei Straussens ja so: Sie hatten Personal fürs Kochen und so weiter. Da
war zum Beispiel die Greta, eine ganz liebe Person, sie kam, nachdem die alte Frau Strauss
gestorben war. Später zog sie nach Fulda. Sie ist schon ein paar Jahre lang tot.
Als Heizung hatte man ja damals Ofenheizung. Da war es ganz selbstverständlich, dass wir im
Winter am Schabbes mit eingeheizt haben, wenn das Dienstmädchen mal nicht da war. Auch
kann ich mich entsinnen, dass ich bei der Frau Flörsheim Brikett und Kohlen aufgelegt habe.
Etwas Besonderes war das Berchesbrot, das für den Schabbes gebacken wurde, hm - das
schmeckte. Straussens haben am Schabbat immer gesungen. Der Joseph war ja
hochmusikalisch und hatte eine wunderbare Bassstimme. Ich kann heute noch die Melodie
von einem Lied, das sie jedesmal am Schabbesabend gesungen haben (G. Eckert intoniert
den Gesang ...).
Mir ist das alles noch ganz gegenwärtig.