Gertrude Eckert (*1919) erinnert sich :

Als Kind habe ich immer mit anderen Kindern in dem Hof von Straussens gespielt. Man überlegt sich das ja erst später, dann wird einem das klar, wie diese Menschen eigentlich waren. Als Kind nimmt man alles als selbstverständlich, aber später setzt dann das Nachdenken ein. Wir durften im Hof immer alles Mögliche spielen, da kamen die Flörsheims, die Bertel und die Erika Flörsheim vom Fuldaer Berg 20. Da war immer eine ganze Rasselbande zusammen. Und wir durften alles machen. Sie können sich das gar nicht vorstellen, das würde kein Hausherr heute erlauben. Die Straussens haben ja immer viel Heidelbeeren aufgekauft, da ging es morgens um vier Uhr schon los. Fast jedes Jahr wurde gebaut, umgebaut, angebaut, mal dies, mal das. Dadurch lagen immer so große Sandhaufen im Hof. Und da haben wir gespielt, wir haben denen alles durcheinander gebracht. Die Kästen, wo die Beeren drin waren, die haben wir zu Theken gebaut und Kaufmannsladen gespielt. Das durften wir alles machen. Nur, das konnten die ja dann nicht mehr benutzen, aber das wird einem erst später klar. Und wenn wir da unten gespielt haben und hatten Hunger - ja ich ging doch nicht rauf zu uns, ich ging unten in die Küche und sagte: “Ich will ein Stück Geleebrot.” Dann bekam ich das.
Das Haus Strauss war ein ganz offenes Haus, aber sie waren fromme Juden. In der großen Küche war eigentlich eine doppelte Einrichtung, es waren zwei Schränke und zwei Herde usw. für "Milchding" und "Fleischding". Dieses andere Wirtschaften war für mich als Kind ganz selbstverständlich, ich bin ja damit groß geworden. Hauptsächlich erinnere ich mich an das Laubhüttenfest und den Schabbes. Aber das schönste Fest war das Laubhüttenfest.