Alfreds Mutter Lilly Strauss erzählte ihrem Sohn viel später einmal von zwei kleinen
Episoden, die zeigen, wie verwirrend diese Nazizeit mit ihren spektakulären Symbolen
und dem ganzen NS-Kult für einen kleinen aufgeweckten Jungen gewesen sein muss:
Alfred Strauss: Als meine Mutter noch lebte, erzählte sie mir, dass ich
einmal nach Hause kam, nachdem ich die Hitlerjugend habe marschieren
sehen. Das muss einen sehr großen Eindruck auf mich gemacht haben,
denn ich war ganz begeistert davon. Deswegen fragte ich sie: "Mama,
wann kann ich denn zu den HitlerJUDEN gehen?" Natürlich - so hatte ich
das als ahnungsloses Kind verstanden.
Meine Mutter erinnerte sich auch daran, dass mich mein Großvater
Wertheim, nachdem meine Großeltern zu uns gezogen waren, immer
mitnahm zum Spazierengehen in der Bahnhofstraße. Eines Tages, als er
wieder mit mir zurück ins Haus kam, sagte er zu meiner Mutter, dass er
mich in Zukunft nicht mehr mitnehmen könnte. Als meine Mutter nach dem
Grund dafür fragte, berichtete ihr mein Großvater, dass ich jeden, der an
uns vorbei gegangen ist, mit "Heil Hitler" begrüßt hätte. Ganz sicher habe
ich das den anderen Leuten nachgemacht. Natürlich war das meinem
Großvater sehr unangenehm.