Die Juden des Regierungsbezirks Kassel wurden in drei Massentransporten
deportiert.
Der erste Transport ging am 9. Dezember 1941, deklariert als "Gesellschafts-Sonderzug, Reichssicherheitshauptamt", ins Zwangsghetto nach Riga. Er
umfasste 1034 Personen: 475 kamen aus Kassel. Anfahren mussten die
ausgesuchten Juden einen Tag vorher mit der Bahn oder mit Bussen. Zentraler
Sammelpunkt waren die Turnhallen der Bürgerschulen in der Schillerstraße .
Der zweite Transport mit der Nr. "Da 57" findet unsere besondere
Aufmerksamkeit, weil die Familie HÖFLICH dazu gehörte. Für die polizeiliche
Abmeldungen war "unbekannt verzogen" oder "ausgewandert" vorgeschrieben.
HÖFLICHs hatten ihren Wohnsitz seit 1939 schon in Kassel. Sammelstelle vor der
Abfahrt war wie bereits beim 1. Deportationszug am 9.12.1941 die Bürgerschulen
in der Schillerstraße. Dort filzten Mitarbeiter der Gestapo die Ankömmlinge und
raubten ihnen Schmuck und Bargeld. Dann wurden sie in einer Marschkolonne zum
Bahnhof getrieben. Der Kasseler Hauptbahnhof wurde zu ihrem Schicksalsort.
Ihnen wurde vorgeschwindelt, sie kämen zum Arbeitseinsatz, daher sollten sie
Werkzeuge mitnehmen. Ein Teil des Gepäcks und ihr Arbeitsgerät kamen in einen
Extrawaggon, der noch auf dem Bahnhof abgekoppelt wurde. Diesmal wurden 508
Juden befördert: 99 aus Kassel, 36 aus Fulda, 29 aus Hanau, 25 aus Marburg, 17
aus dem Landkreis Eschwege, 10 Kr. Frankenberg, 9 Kr. Fritzlar-Homberg, 6 Kr.
Fulda, 57 Kr. Hanau, 14 Kr. Hersfeld, 4 Kr. Hofgeismar, 2 Kr. Hünfeld, 34 Kr.
Marburg, 11 Kr. Melsungen, 45 Kr. Rotenburg, 9 Kr. Schmalkalden, 29 Kr.
Waldeck, 1 Kr. Witzenhausen, 10 Kr. Wolfhagen, 39 Kr. Ziegenhain.
Dieser zweite Transport ging am 1. Juni 1942 in den Distrikt Lublin zu den Ghettos
und Konzentrationslagern Majdanek, Izbica und Sobibór. Er traf am 3. Juni am
gewünschten Ziel ein. Niemand soll überlebt haben. In diesem Zug saß die Familie
HÖFLICH.
Von dem Sammellager in den
Turnhallen der Schillerschule
zum Kasseler Hauptbahnhof
(rechter Bildrand) führte am
1. Juni 1942 Nathan, Hilde
und Gerda Höflichs letzter
Weg. Dort erwartete sie und
über tausend andere Juden
aus dem Regierungsbezirk der
Deportationszug in die
Konzentrations- und
Vernichtungslager im Raum
Lublin.