Die ehemalige
Papiermühle, von
Westen her gesehen,
Zufluchtsort für die
Familie Höflich im
November 1938 und
danach. (Foto 2007)
HÖFLICHs haben offiziell nicht mehr in ihrem Haus gewohnt.
Aber ihr Haus und das Geschäft wurden demoliert und arg beschädigt. HÖFLICHs wurden in selbstloser Weise
von der Familie Trieschmann in der sog. Papiermühle aufgenommen, hätten dort eine kleine Wohnung gehabt,
wurde gesagt. Schulsachen von der bildhübschen Tochter hätten Trieschmanns nach dem Krieg dem
Kirchenarchiv zur Verfügung gestellt. Dorfbewohner mit den höchsten Schulden sollen das Anschreibheft mit
den eingetragenen Schulden vernichtet haben, um nun endgültig schuldenfrei zu sein. Auch Nathan HÖFLICHs
Warenlager wurde erheblich geplündert. So haben sie Stoffballen aus dem Laden geholt, sie zuerst versteckt
und dann selbst daraus Kleidungsstücke genäht. Eine Frau, die damals 16 Jahre alt war, empfand das
Verhalten der Rengshäuser als "gemein", zumal HÖFLICHs "anständige und nette Leute" waren.
Hilde HÖFLICH versuchte, sich in der Papiermühle über Wasser zu halten. Bei Bekannten erbettelte sie sich
Lebensmittel, meist nachts, um nicht erkannt zu werden und andere Leute in Gefahr zu bringen.
Für einige Wochen hat Hilde HÖFLICH heimlich beim Bauern Körber gearbeitet und ist nach Einbruch der
Dunkelheit unbemerkt in ihr verwüstetes Haus gegangen, um dort zu übernachten. Dies berichtete die damals
16-jährige Bauerstochter Anneliese Körber. Wahrscheinlich ist auch Höflichs 6-jährige Tochter Gerda dabei
gewesen, denn die Bauersfrau Körber hat der kleinen Gerda in dieser Zeit ein schönes Kleid aus rotem Stoff
genäht, wie sich Anneliese Körber erinnert. Um ausreichend Geld zum Leben zu haben, verkaufte Frau HÖFLICH
nach und nach Besitz aus ihrem Hause, so zum Beispiel Porzellan.