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Projekt Fred Speier
Dann sprach Fred Speier:

„Werter Herr Bürgermeister Opfer! Werter Herr Pfarrer Ewald! Werter Herr Pfarrer Witzel! Meine Damen und Herren!
Meine Frau und ich sind sehr dankbar für das herzliche Willkommen. Wir werden ihre Gastfreundlichkeit nie vergessen. Wir sind nicht hier, um anzuklagen, aber klagen muss man. Als ich am Sonntagmorgen, dem 27. Januar 1935, Niederaula verlassen musste, hätte ich nie gedacht, dass ich je wieder Niederaula besuchen würde. Mein Plan war ursprünglich gewesen, Montag, den 28. Januar, abzureisen, aber der damalige Bürgermeister, ein ‚guter’ Parteimann sagte, ich solle Montagmorgen zu dem Gendarm gehen, welcher bei Kraffts in der Schlitzer Straße wohnte, um ein Abschiedsgeschenk abzuholen. Da mein Koffer keinen Platz für dieses ‚Geschenk’ hatte, holte mich Karl Andorn um 8 Uhr Sonntagmorgen ab und brachte mich nach Hersfeld. Von dort bin ich mit dem Schnellzug nach Hamburg gefahren. Am 30. Januar 1935, genau 2 Jahre nach der Machtergreifung, verlies ich Deutschland, meine Heimat, wo meine Vorfahren schon länger als 200 Jahre lebten. Unser erster Besuch, welcher 90 Minuten, eine Ewigkeit, dauerte, war in 1958. Jetzt ist unser sechster Besuch! Ich zitiere den Nobelfriedenspreisträger Elie Wiesel: „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, das Gegenteil von Liebe ist Gleichgültigkeit. Wir hoffen, dass der Ausdruck „Never again“ n i e    w i e d e r,   ernst genommen wird. Wir wünschen Ihnen Shalom, -  das heißt, Friede sei mit Dir -  und alles Gute.

Der 23. Psalm - Psalm von David
Der Ewige ist mein Hirte, ich darbe nicht.
Auf glasigen Auen lässt Er mich ruhen, an stille Wasser leitet Er mich.
Meine Seele labt Er, führt mich auf das rechte Geleis, um Seines Namen willen.
Auch wenn ich gehe im Tale des Todesschattens, fürchte ich kein Leid, denn Du bist bei mir.
Dein Stab und Deine Krücke sie trösten mich.
Du richtest vor mir einen Tisch an, angesichts meiner Bedränger, tränkst in Öl mein Haupt, mein Kelch fließt über.
Ja, nur Glück und Heil folgen mir nach all meine Lebenstage, und ich kehre zurück in das Haus des Ewigen für die Dauer der Zeiten.

Es ist schwierig von Einigkeit zu reden, wenn unsere Welt nicht komplett ist. Die, welche eine Vollkommenheit in unser Leben brachten, aber deren Seelen jetzt bei ihrem Schöpfer sind, werden nie vergessen werden. Aber Erinnerungen können uns nur sagen, was wir in Gesellschaft mit unseren Verstorbenen waren. Diese Erinnerung kann uns nicht helfen zu entdecken, was wir in Zukunft werden. Niemand ist wirklich allein, denn die, welche nicht mehr leben, widerhallen in unseren Gedanken. Was sie getan haben, ist jetzt Teil von dem, was wir sind und werden. Wir ehren diese Verstorbenen am besten, wenn wir unser Leben so führen, dass niemand uns tadeln kann. Wenn wir Gott als den einzigen bestätigen, dann bestätigen wir den Wert eines Jeden, dessen Leben jetzt beendet ist, uns näher zur Quelle des Lebens bringt, wo niemand allein ist und wo jedes Leben einen Sinn hat. Wir müssen an dem Gedanken festhalten, dass das Kaddischgebet uns immer Hoffnung gibt. Es enthält keine Erwähnung der Verstorbenen. Gott zu loben in dem Moment des Kummers ist eine Demonstration des Glaubensbekenntnisses.

Jetzt beten wir das El Mohleh Rachamim und das Kaddischgebet:

El Mohleh Rachamim
Oh, Gott, voller Barmherzigkeit, der Du im Himmel wohnest, gewähre vollkommene Ruhe unter den Flügeln Deiner Gegenwart für unsere Verstorbenen, welche in die Ewigkeit gegangen sind. Herr der Gnade, lasse die Zuflucht unter dem Schatten Deiner Flügel finden. Der Ewige Gott ist ihr Erbe. Lasse sie in Frieden ruhen und wir alle sagen, AMEN.

In dieser Gedenkstunde denken wir an die vielen Männer, Frauen und Kinder aus Niederaula, die in Güterwagen nach Theresienstadt und andere Lager abtransportiert wurden und einen unbarmherzigen Tod erlitten haben. Sie sind umgekommen, da sie ein Symbol Deines ewigen Gesetzes waren. Ihr Tod brachte eine Finsternis über die menschliche Seele. Wir denken auch an Lehrer Jakob Gans und alle, die ein elendes Ende gefunden haben. Wir werden sie nie vergessen!!“
  
(oben) Fred Speier bei seiner Ansprache auf dem jüdischen Friedhof am 6. Juni 1994
(unten) Teilnehmer an der Gedenkveranstaltung
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weiteres Foto von der Gedenkveranstaltung