Hassia Judaica - Jüdisches Kleinstadt und Landleben in Hessen - Lebenswege

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Lebenswege

Jenny Bachenheimer geb. Katz (1902-1997)

Jenny Bachenheimer wurde 1902 in Alheim-Heinebach geboren, sie war die Tochter des dortigen Vorstehers der jüdischen Gemeinde Baruch Katz. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beherbergte das Haus der Familie in der Kirchstraße den Gottesdienstraum. 1928 heiratete Jenny den Rauischholzhausener Siegfried Bachenheimer, dessen Mutter Betti Rosenbaum aus Baumbach stammte. Die junge Familie (1929 war Tochter Brunhilde dazugekommen) lebte in Kirchhain, ehe der Kaufboycott der Nazis sie nach Heinebach übersiedeln ließ wo sie jedoch erneut die Zielscheibe für heftige Attacken wurde. Da die Geschwister von Jennys Vater schon Jahrzehnte zuvor in die USA ausgewandert waren, konnten die Bachenheimers mit deren Hilfe 1934 Nazideutschland verlassen. In New York gehörten die Bachenheimers zur ersten neugegründeten jüdischen Gemeinde nach Hitlers Machtübernahme. Jenny arbeitete als Schneiderin, in ihrer Synagogengemeinde erwarb sie sich große Anerkennung für ihren karitativen Einsatz.
Die Darstellung stützt sich im Wesentlichen auf Material, das von Jennys Enkelsohn Steve North bereitgestellt wurde, der als Journalist für CBS News (bis 2008 für NBC) arbeitet. über den Besuch im Juni 2009 mit seiner Mutter Bunny geb. Bachenheimer in Rauischholzhausen, Kirchhain, Marburg, Baumbach, Heinebach und Rotenburg an der Fulda, den Herkunftsorten seiner deutschen Ahnen, hat Steve North einen ausführlichen Erfahrungsbericht (From the Valley to the „Heimat“) im Jewish Journal (Los Angeles) und in der Jewish Week (New York) veröffentlicht.


In Vorbereitung.

Moses Moritz Berlein (1818-1898)

stammte aus Marburg. Als er 1843 in Rotenburg eine Zulassung als Anwalt erhielt, war dies eine der ersten für einen jüdischen Juristen im deutschsprachigen Raum. 1862 war er bei den Neugründern des Rotenburger Turnvereins, nachdem er bei den Ausschreitungen gegen die Rotenburger Juden 1848 noch eine der Zielscheiben des antijüdischen Protests gewesen war. Sein Sohn Julius stiftete 1899 von London aus der Stadt Rotenburg 3000 Mark zur Einrichtung eines Stadtarchivs.

Moses Brandes (1836-1910)

Er wurde in Rotenburg an der Fulda geboren, wo er bis zum Besuch des Jüdischen Lehrerseminars lebte. Von 1878 an unterrichte er an der Jüdischen Schule in Oberaula, auf dessen jüdischem Friedhof ein markanter Obelisk seine Grabstätte schmückt. Die Darstellung stützt sich auf die Schilderungen seiner Tochter Johanna Harris-Brandes („Fröhliche Kindheit im Dorf, Erlebnisse in den Jahren 1880-1890“), abgedruckt in der Publikation von Monika Richarz „Bürger auf Widerruf. Lebenszeugnisse deutscher Juden 1780-1845“. Die Erinnerungen der Tochter, aufgezeichnet in den USA, veranschaulichen das Leben einfacher Dorfjuden, die schwierige Stellung des jüdischen Dorflehrers und die ländlichen Formen des Antisemitismus in Hessen. Der zweite Teil dieses Kapitels ist den Nachfahren von Moses Brandes’ Bruder Hirsch in Rotenburg an der Fulda gewidmet, die hier bis Ende 1938 in Rotenburg ein Textilfachgeschäft führten. Zwei Familienmitglieder (Gretel Brandes verh. Goldschmidt und ihre Tochter Margit) wurden Opfer der Shoa.

Manfred Braunschweiger (1919 -

geboren 1919 in Burghaun, und dort aufgewachsen, besuchte die Lateinschule in Hünfeld. Als er im Anschluss an die Novemberpogrome 1938 im Konzentrationslager Buchenwald eingekerkert wurde, verkaufte die Mutter den gesamten Besitz der Familie, um Manfred und dessen Bruder die Ausreise zu finanzieren. Nach überstandenem Konzentrationslager Buchenwald gelangten Manfred Braunschweiger und sein Bruder nach Shanghai und von dort nach USA, wo er den Namen Frederick M. Browning annahm. Schon in den turbulenten Jahren in Shanghai (1939-1946) betätigte er sich in der Lebensmittelbranche, dies kam ihm beim Aufbau einer Import-Export-Firma in den USA zugute.

Carl Dellevie (1811-1847)

wuchs in Rotenburg an der Fulda auf, als Enkelsohn des dortigen Hofjuden Meyer Heinemann, der 1808 den Namen Dellevie annahm. Er besuchte das Hersfelder Gymnasium (dort Abitur 1831), wurde 1835 in Marburg zum Dr. med. promoviert und war bis zu seinem frühen Tod 1847 als praktischer Arzt und Geburtshelfer in Hersfeld tätig, wo er ab 1843 auch als Betreuungsarzt für das Gymnasium wirkte. Seine Praxis befand sich in dem Haus Linggplatz 4, sein Grabstein steht auf dem Jüdischen Friedhof in Rotenburg an der Fulda.

Theodor Doellefeld (1895-1974)

Theodor Döllefeld wurde 1895 in Rotenburg geboren und war dort als Getreide- und Futtermittelhändler tätig. Im Mai 1930 wurde er zum Gemeindeältesten bestellt. 1941 wurde er ins Ghetto Riga deportiert, von wo aus er als Zwangsarbeiter in der Landwirtschaftzum Einsatz kam. Beim Zusammenbruch der deutschen Ostfront 1943/44 floh er aus der KZ-Haft, geriet aber in russische Gefangenschaft, aus der er erst 1958 entlassen wurde. Im Februar 1959 kam er nach Louisville/USA, wo seine Tochter Käthe/Kate seit 1938 lebte. Die seit 1946 in Chicago ansässige Tochter Dina (geb. 1927) war wenige Wochen zuvor an den Folgen ihrer KZ-Lagerhaft verstorben. Nach dem Krieg hatte sie vergeblich versucht, in ihrer hessischen Heimat wieder Fuß zu fassen.

Isidor Fackenheim (1851–1934)

Die Fackenheims waren Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem benachbarten Lispenhausen nach Bebra übergesiedelt, wo sie 1869 eine koschere Gaststätte einrichteten, im Laufe der Jahre erweitert durch einen Festsaal und Hotelbetrieb. Der 1847 geborene Isidor Fackenheim war über sein berufliches Arbeitsfeld hinaus fest in die örtliche Gesellschaft integriert, u. a. auch als Mitglied des Gemeindeparlaments. Lange Jahre war er Schriftführer im Wirteverein, der ihn zum Ehrenmitglied berief. Im Saal Fackenheim fanden die Jahresversammlungen des Gastwirtevereins des Landkreises Rotenburg statt. Ehefrau Rosa geb. Dessauer wurde für ihre Tätigkeit im Vaterländischen Frauenverein des Roten Kreuzes die Rote-Kreuz-Medaille verliehen. Ausführlichen Raum nehmen in unserer Darstellung die schriftlichen Erinnerungen ein, die Enkeltochter Ilse Friedman geb. Abraham 1984 in den USA aufgeschrieben hat.

Dr. med. Willy Fackenheim (1882-1943)

Der in Bebra geborene und aufgewachsene Sohn des dortigen Gastwirts Isidor Fackenheim studierte in Würzburg Medizin und erwarb 1920 in Wiesbaden die Zulassung als praktischer Arzt, die ihm 1936 „aus rassischen Gründen“ entzogen wurde. Nach den Novemberpogromen 1938 verbrachte er eine schlimme Zeit im Konzentrationslager Buchenwald, über die sein ebenfalls dort inhaftierter Sohn Walter einen erschütternden Bericht verfasst hat. Der Familie gelang 1939 die Ausreise nach Shanghai, wo Willy Fackenheim zwar noch für eine kurze Zeit seinen Beruf ausüben konnte, den extrem widrigen Lebensbedingungen jedoch nur wenige Jahre gewachsen war. Die Darstellung stützt sich in wesentlichen Teilen auf die 1984 in San Francisco verfassten Lebenserinnerungen seines Sohnes Walter (Frank): „People, Events, Stories. A Personal History 1920-1947“.

Baruch Floersheim (1813-1881)

handelte mit Manufakturwaren. Er wurde zum Hauptopfer der 1848er Ausschreitungen gegen die Rotenburger Juden, in deren Gefolge er einen Schaden von 1000 Talern erlitt. Sein Leben rettete er durch die Flucht nach Kassel, wo er detaillierten Bericht erstattete, demzufolge auch honorige Bürger Rotenburgs zu den übeltätern gehörten. Trotz des erlittenen schweren Verlustes kehrte Baruch Flörsheim nach Rotenburg zurück und führte sei Geschäft bis zum Jahr 1876. Im September 1881 wurde er von einem Zug überfahren. Sein Grabstein steht auf dem Jüdischen Friedhof in Rotenburg.

Chanan/Hans Floersheim (1923-

1929 erlebte ein erwartungsvoller ABC-Schütze mit Namen Hans Flörsheim im hessischen Rotenburg an der Fulda seine Einschulung. Glückliche Umstände, sein Wagemut und seine Geistesgegenwart verhalfen ihm 1943/44 im vierten Anlauf zur überquerung der Pyrenäen. Im Kibbuz Yakum, im heutigen Israel, fand er eine neue Heimat, die ihm in dem Land seiner Kindheit verwehrt war. Der im Sommer 1944 in Spanien verfasste Bericht legt Zeugnis ab vom Mut eines Einzelnen, aber auch von gegenseitiger Unterstützung und der Hilfe Außenstehender. Uns begegnet ein Verfolgter als aktiv Handelnder, nicht als bloßes Opfer von Vertreibungs- und Vernichtungspolitik. Die Dokumente im Text und im Anhang zeigen die Verwurzelung und Einbindung der Familie des Autors samt deren Vorfahren in das Leben ihrer nordhessischen Heimat. In ihrer Einleitung geben Brigitte Meyer-Christ und Heinrich Nuhn neben einer Würdigung der Person des Autors eine Erläuterung zur sog. Westerweelgruppe, deren Wirken Chanan Hans Flörsheim hauptsächlich sein überleben verdankte. Hier angeboten wird eine PDF-Fassung der 2008 im Hartung-Gorre Verlag in Konstanz erschienenen 213-seitigen Publikation mit dem Titel “Ueber die Pyrenäen in die Freiheit. Von Rotenburg an der Fulda über Leipzig nach Amsterdam und durch Frankreich und Spanien nach Israel 1923-1944”.

Louis Goldschmidt (1867-1940)

Wie schon seine Vorfahren Pferdehändler in Bebra, wurde er am 8. August 1935 beschuldigt, er habe mit einem Bauern „am Sonntag während der Kirche“ Handel getrieben. Daraufhin wurden die beiden zur Abschreckung im Fackelzug durch die Straßen der Stadt geführt. Da es für solche Aktionen keine gesetzliche Grundlage gab, wurde sie von der Presse, insbesondere dem Hetzblatt „Der Stürmer“, als spontane Aufwallung des “gesunden Volksempfindens“ dargestellt. Zwei Zeitzeugen kommentieren das damalige Geschehen.

Ruth Guetzlaff-Katzenstein (1906 - 1988)

geb. 1906 in Rotenburg und dort bis zum Ende ihrer Schulzeit, verdankt ihr überleben in der NS-Zeit der Rettungstat ihrer nichtjüdischen Mutter, die die Vaterschaft ihres jüdischen Ehemanns Siegfried Katzenstein 1941 in Abrede stellte und so ihrer Tochter zu einer „arischen“ Identität verhalf. Durch richterlichen Entscheid konnte Ruth den Judenstern ablegen und entging so der Deportation in ein Vernichtungslager. Ruths Judenstern hat inzwischen seinen Platz als Exponat in einer Vitrine im Jüdischen Museum in der ehemaligen Mikwe in Rotenburg gefunden. Darauf bezogen hat Ruths Tochter Kathrin Reiher ihrem 2009 publizierten Erinnerungsbuch den Titel „Abschied vom Stern“ gegeben.

Dr. Arthur Hahn (1899–1973) und Tochter Hannelore Hahn (1926- )

Arthur Hahn kam am 4. März 1899 als Sohn des Hersfelder Privatbankiers Jakob Hahn zur Welt. Als Schüler der Abschlussklasse am Hersfelder Gymnasium meldete sich Arthur Hahn im August 1917 als Freiwilliger zum Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg, aus dem er erst im Januar 1920 zurückkehrte. Seine Erfahrungen in der Kriegsgefangenschaft bildeten den thematischen Rahmen für seine 1923 in Würzburg vorgelegte juristische Dissertation. In Hersfeld war Arthur Hahn als Schatzmeister im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold aktiv, ebenso als stellvertretender Vorsitzender des hessischen Landesverbandes im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF). 1926 kam er durch Heirat mit der Tochter des Malzfabrikanten Leonard Brach nach Dresden, wo er die Leitung von dessen Elbschloss Malzfabrik in Schöna in der Sächsischen Schweiz übernahm. Sein Schwiegervater richtete noch vor 1933 einen Zweigbetrieb in Paterson, New Jersey, ein, der die wirtschaftliche Basis für die Einreise in die USA eröffnete, welche Arthur Hahn mit seiner Familie im September 1938 wahrnahm. Arthurs Tochter Hannelore Hahn übersetzte in dem Projekt Moments of Discovery des American Institute of Physics die wissenschaftliche Korrespondenz von Albert Einstein. In der New York Times veröffentlichte sie zahlreiche Gedichte und Essays. 1976 gründete sie die International Women’s Writing Guild, als deren Präsidentin und Geschäftsführerin sie bis jetzt (2010) fungiert. Ihr erstes Buch, Take a Giant Step war ein Kinderbuch über die Geschichte der Stelzen. Ihr autobiographisches Erinnerungsbuch „On the Way to Feed the Swans“ war ein wichtiger Baustein für das vorliegende Kapitel.

Jakob Hahn (1871 - 1943)

in den 1890er Jahren aus Rhina nach (Bad) Hersfeld zugewandert, baute dort ein privates Bankhaus auf, das bis 1938 existierte. Die Darstellung erfasst auch das Leben und Wirken seiner Söhne Isfried, Rudi und Arthur sowie deren Familien. Arthur, in Würzburg zum Dr. jur. promoviert, kam 1925 durch Heirat nach Dresden, wo er die Leitung der Brachschen Malzfabrik übernahm. Arthurs Tochter Hannelore Hahn ist die Präsidentin der International Women’s Writing Guild, ihr Erinnerungsbuch „On the Way to Feed the Swans“ war ein wichtiger Baustein für das Kapitel „Jakob Hahn“.

Jakob Jack Hahn (1920 -

1920 in Bad Hersfeld geboren, musste im April 1935 das dortige Gymnasium aus rassischen Gründen verlassen. Durch ein Arrangement des Londoner Rabbiners Schonfeld gelangte er im März 1939 als Rabbinerstudent nach England und von dort nach zwischenzeitlicher Internierung nach Kanada. Dort studierte er Maschinenbau und wurde zu einem bedeutenden Industriellen im Bereich des Fabrikanlagenbaus.

Dr. Josef Hahn (1909-1972)

war einer der beiden jüdischen Schüler, die 1927 am Hersfelder Gymnasium das Abitur ablegten. In Marburg promovierte er zum Dr. jur. Als „Nichtarier“ 1933 aus dem öffentlichen Dienst entfernt, ging er im Oktober 1933 nach England, um sich für einen Arbeitseinsatz im damaligen Palästina zu qualifizieren. Aufgrund seiner juristischen Ausbildung kam er 1961 zu einer Anstellung im israelischen Staatsdienst, von da an trug er den Zunamen Haon. Als Finanzattaché war er an der israelischen Botschaft in Bonn hauptsächlich für Fragen der Rückerstattung geraubten jüdischen Vermögens zuständig.  

Rudi Hahn (1901-1976)

Rudi Hahn, Sohn des Hersfelder Bankiers Jakob Hahn, verliess 1916 das Hersfelder Gymnasium und begann eine Lehre als Bankkaufmann im väterlichen Bankbetrieb in Hersfeld. Danach verdiente er sich von 1918 bis 1920 seine ersten beruflichen Sporen beim Hessischen Bankverein in Kassel, um dann bis 1930 wieder im Familienbetrieb in Hersfeld zu arbeiten. Dort fand man ihn im traditionsreichen Turnverein Hersfeld 1848, ebenso bei der Freiwilligen Feuerwehr. Die Verheiratung seines Bruders Arthur mit der Tochter des Malzfabrikanten Leonard Brach in Dreden bescherte auch Rudi Hahn 1930 ein neues berufliches Aufgabenfeld als Mitarbeiter der Elbschloss-Malzfabrik Brach in Schöna in der Sächsischen Schweiz. Am 8. Februar 1938 wurde er in Dresden für drei Monate verhaftet - wegen angeblichen Devisenvergehens. Es war ein letztes Warnzeichen und trieb seine Ausreise voran. Rudi Hahns erste Auslandsstation im September 1938 war Prag, von dort führte sein Weg - zusammen mit seiner Fau Lissy- über Holland und Belgien im Juli 1939 nach London. Nach Beginn der deutschen Offensive im Mai 1940 betrachtete das von Invasionsangst und Spionagefurcht geprägte England alle dorthin geflüchteten Deutschen als feindliche Ausländer (enemy aliens) und steckte sie vorübergehend in Internierungslager, so auch Rudi Hahn. In den folgenden Jahren arbeitete er u. a. als Friseur, ehe er 1950 eine Hemdenfabrikation startete. Trotz eines Herzleidens war er bis ins hohe Alter beruflich aktiv, zuletzt im Vertrieb von Herrenoberbekleidung. Im September 2006 folgten Rudis Kinder Michael und Vivien (mit Ehepartnern) einer Einladung zur Einweihung des Jüdischen Museums in der ehemaligen Mikwe in Rotenburg an der Fulda. Im Rahmen dieses Besuchs kam es in Bad Hersfeld zu mehreren Begegnungen mit Schülern.

Herz Hess (1819-1892)

war Kreisvorsteher der jüdischen Gemeinden und der am höchsten besteuerte Bürger des Landkreises Rotenburg. Seit 1873 saß er im Rotenburger Stadtrat. Ihm gehörten u. a. das Gut Wüstefeld und das Kasernengebäude in der Bürgerstraße. Die von ihm erworbene ehemals landgräfliche Herrenmühle an der Fuldabrücke bauten seine Söhne zu einem der leistungsfähigsten Betriebe seiner Art aus.

Nathan Hoeflich (1894-1942)

war das letzte Glied in einer langen Ahnenreihe, die sich für seine Familie in der Knüllgemeinde Rengshausen nachweisen lässt. Eckhard Preuschhof bettet die Lebenswege der Höflichs in die Geschichte  der kleinen jüdischen Gemeinde Rengshausens ein, die im 17. Jahrhundert begann und 1939 mit dem fluchtartigen Wegzug der Höflichs nach Kassel ihr Ende fand. Von dort wurden sie im Juni 1942 in den Bezirk Lublin in Ostpolen deportiert, wo sich ihre Spur verliert.

Jakob Katz (1875 - 1942)

Schuhmachermeister Jakob Katz führte bis Juni 1936 im Steinweg 4 in Rotenburg an der Fulda eine Schuhmacherwerkstatt mit Ladengeschäft, in dem er über 20 Jahre die Alleinvertretung für Salamanderschuhe hatte, die ihm 1933 durch die Firma Salamander gekündigt wurde. Während sein Sohn Meinhold (geb. 1906) von Glauchen (Sachsen) aus die Flucht ins damalige Palästina gelang, wurde Jakob Katz ebenso wie seine Frau Berta geb. Neuhaus und seine Tochter Frieda Mordopfer der Shoa. Zusammen mit dem Rotenburger Fernmeldetechniker Jakob Köpping entwickelte Jakob Katz ein „Handnagelgerät für Schuhmacher" zum Besohlen von Schuhen, das 1913 patentiert wurde. Das Gerät wird vom Berufsfortbildungswerk Kassel in Kooperation mit dem Fachbereich Maschinenbau der Universität Kassel (Diplomingenieur Skaley) nachgebaut und im Jüdischen Museum in der ehemaligen Rotenburger Mikwe ausgestellt. Ein weiteres Indiz für Jakob Katz´Integration in sein Rotenburger Lebensumfeld: er gehörte 1910 zu den Gründungsmitgliedern des örtlichen Ziegenzuchtvereins.

In Vorbereitung

Julius Katz (1911 – 31.03.1983)

war der letzte Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Sontra. Nach der Entlassung aus dem Konzentrationslager Buchenwald ging Julius Katz in den jüdischen Umschulungsort Gehringshof in der Rhön auf Hachscharah, um sich durch eine landwirtschaftliche Ausbildung für eine Einreisegenehmigung ins damalige Palästina zu qualifizieren. Dorthin gelangte Julius Katz im Februar 1940, allerdings auf abenteuerlichem Weg und ohne Genehmigung durch die englische Mandatsregierung, sodass er die ersten Monate in einem Internierungslager verbringen musste. Aus gesundheitlichen Gründen verlebte Julius Katz seine letzten Jahre in Frankfurt am Main. Dort konnte Dr. Ulrich Schneider im Mai 1982 im Rahmen seiner Recherchen zum Konzentrationslager Buchenwald ein längeres Interview mit ihm führen, bei dem wichtige Details über den Ablauf der Novemberpogrome 1938 zur Sprache kamen. Julius' Vater Hermann Katz war 1937 in Sontra verstorben, seine Mutter Sara und seine Schwester Frieda wurden Opfer des Holocaust.
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Manfred Katz (1928 -

war der Sohn des Pferdehändlers Salli Katz und Betty geb. Rosenblatt in Beiseförth bei Melsungen. Unmittelbar nach den Novemberpogromen 1938 war die Familie aus ihrem Heimatort Beiseförth nach Kassel geflüchtet. Im Dezember 1941 wurde Manfred Katz zusammen mit seiner jüngeren Schwester Doris Dorette nach Riga deportiert. Während die Eltern und seine Schwester Opfer des Holocaust wurden, überstand er die Haft in mehreren Konzentrationslagern. Im Juli 1945 kam er nach Frankfurt am Main. Seine ältere Schwester Ilse Johanna, die 1940 in die USA flüchten konnte, verschaffte ihm im Mai 1946 ein US-Einreisevisum. Nach seinem Ingenieurstudium gelangte Manfred Katz in führende Positionen im Bereich der Entwicklung von computergesteuerten Elementen der Transportindustrie. Das Material für das Kapitel Julius Katz stellte Manfred Eifert zur Verfügung.
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Willy William Katz (1895 – 1988)

Willy William Katz wurde 1895 in dem kleinen nordhessischen Dorf Diemerode (heute Stadtteil von Sontra) geboren, wo er eine unbeschwerte Jugend verbrachte. Ab 1912 besuchte er das Jüdische Lehrerseminar in Kassel, an dem er zeitweise Schüler von Martin Buber und Franz Rosenzweig war. Sein Studium, unterbrochen durch längeren Einsatz als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg schloss er 1921 mit dem Prädikat summa cum laude ab. Bis 1939 wirkte er als Lehrer an jüdischen Schulen, zunächst in Beckum (Westfalen) und Mönchengladbach, dann in Kassel, ab 1929 dort auch als Kantor an der Hauptsynagoge. Er war Vorstandsmitglied im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Im November 1938 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar verschleppt. Nur das Ehrenkreuz für Frontkämpfer bewahrte ihn vor dem Schlimmsten. In letzter Minute (1939) konnte er sich mit seiner Frau nach Australien retten, wo er bis 1960 der jüdischen Gemeinde in Sydney (North Shore Synagogue) als Lehrer und Rabbiner diente. 1966 veröffentlichte er „And the Ark rested“ („Die Bundeslade ruhte“), die Geschichte seiner Synagogengemeinde, verbunden mit einer kurzen Autobiographie. Am 1. Januar 1975 wurde Katz von Königin Elisabeth II. mit dem Orden MBE (Member of the Most Excellent Order of the British Empire) für Verdienste in der öffentlichkeit ausgezeichnet. Unter dem Titel „Ein jüdisch-deutsches Leben“ veröffentlichte er 1980 seine Erinnerungen an Deutschland.
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Willy Katz(1898-1988)

Willi Katz entstammte einer alteingesessenen jüdischen Familie in Nentershausen. Noch am 31. Okt. 1935 erhielt er, wie viele andere jüdische Kriegsveteranen, vom „Führer und Reichskanzler“ (Adolf Hitler) das Ehrenkreuz für Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs. Im November 1938 wurde er von SA-Leuten schwer misshandelt, die Geschäftsräume und die Wohnung wurden verwüstet. Im Oktober 1940 gelangte er mit seiner Frau Martha und den drei Söhnen Siegbert, Karl und Manfred nach Ecuador, wo er seine Tätigkeit als Schuhmacher fortsetzen konnte. Er spezialisierte sich dort auf orthopädisches Schuhwerk. Der älteste Sohn Siegbert/Bert war als Mitarbeiter des Massachusetts Institute of Technology in Boston am Apolloprogramm beteiligt, Sohn Karl/Carlos, der in den 1950er Jahren in die USA gegangen war, lebt mit seiner Familie in New Jersey; der hochqualifizierte Elektroingenieur hält zahlreiche Patente für Starkstromkabel. Willi Katz’ Sohn Manfred (2006 verstorben) betrieb am Großneumarkt in Hamburg das Kultlokal Schwender’s.

 

There is also an English version of this item

(translation by Carlos Katz).

Moritz Katzenstein (1872-1932)

geb. 1872 in Rotenburg und dort aufgewachsen, Professor der Medizin in Berlin und langjähriger Chefarzt im Städtischen Krankenhaus im Friedrichshain, war der erste deutsche Chirurg, der eine Meniskusoperation vornahm (1901). In Albert Einsteins Berliner Jahren war er dessen bester Freund, wie dieser in einem Nachruf 1932 bezeugte: „Ich aber bin dem Schicksal dankbar, dass ich diesen gütigen, unermüdlichen Mann von hoher schöpferischer Begabung zum Freund hatte.“ Ein Replikat von Moritz Katzensteins Totenmaske liegt in einer Vitrine im Jüdischen Museum in der ehemaligen Rotenburger Mikwe. Im Jahr 2010 erhielt die Zufahrt zum Jüdischen Friedhof in Rotenburg den Namen Moritz-Katzenstein-Straße.

Sally Katzenstein > Franz Korwan (1865-1942)

geboren in Heinebach bei Rotenburg an der Fulda, gab sich 1924 als Maler auf Sylt den Namen Franz Korwan, den er schon viele Jahre als Künstler-Pseudonym benutzt hatte. Mit dem offiziellen Namenswechsel verbunden war seine Konversion zum Christentum. Seit 1889 lebte und arbeitete er auf der Nordseeinsel, wo er als gefeierter Künstler und Ratsherr ein Mann des öffentlichen Lebens war. Sein künstlerischer Werdegang begann in der Düsseldorfer Kunstakademie bei Prof. Eugen Dücker. Meer und Küstenlandschaft waren seine wichtigsten Motive. Im Oktober 1940 wurde er von Baden-Baden aus in das Internierungslager Gurs in den Pyrenäen deportiert, danach in das Lager Noé, wo er im September 1942 umkam. Von Juli bis September 2001 war dem Künstler im Jüdischen Museum in Rendsburg (Dr.-Bamberger-Haus) eine größere Einzelausstellung gewidmet, von Februar bis April 2002 in Keitum auf Sylt. Dort hatte es bereits April/Mai 1993 eine kleinere Korwan-Ausstellung gegeben.

Siegfried Katzenstein (1875-1936)

geb. 1875, wurde 1919 in das Rotenburger Stadtparlament gewählt, 1924 in den Magistrat. Die Katzensteins waren 1871 von Heinebach nach Rotenburg übersiedelt, wo sie die Verwertung von Altwaren in industriellem Stil betrieben. Nach der NS-Machtübernahme wurde er schwer misshandelt. „Sie haben den Vater rausgeholt, auf den Misthaufen geworfen und ihn halbtot geschlagen“, so seine Tochter Ruth, die ihre Eltern daraufhin nach Berlin holte. In Berlin gelang es Siegfried Katzenstein nicht mehr, Fuß zu fassen, sodass er im Oktober 1936 aus dem Leben schied.

Isidor Landsberg (1881-1923)

war von 1921 bis zu seinem Tod 1923 Lehrer an der jüdischen Schule in Bad Hersfeld. Er starb an den Spätfolgen einer Verletzung, die er im Ersten Weltkrieg erlitten hatte. Tochter Karla und vier seiner fünf Söhne entkamen durch die Ausreise ins damalige Palästina dem Holocaust, der Weg seiner Witwe Rini (geborene van der Walde) und seines Sohnes Jakob führte in die Vernichtung. Die Zwillingsbrüder Simon und Jakob hatten 1936 in der orthodoxen Talmud-Thora-Schule in Frankfurt Aufnahme gefunden, das Hersfelder Gymnasium, die Alte Klosterschule, hatten sie 1934 verlassen müssen

Leopold Levi (1897-1942)

wurde 1897 in Bebra in dem Haus Nürnberger Straße 54 (jetzt VR-Bank) geboren, in dem sein Vater Wolf Benjamin Levi 1890 ein Ladengeschäft für Textilien und Bekleidung eingerichtet hatte. Das Haus Levi wurde eine der besonderen Zielscheiben bei den Pogromausschreitungen im November 1938. Leopold Levi legte 1915 in Hersfeld das Abitur ab und studierte in Heidelberg Kunstgeschichte. Wegen mangelnder Möglichkeiten, seine im Studium erworbenen Kenntnisse und Qualifikationen beruflich zu verwerten, betätigte er sich im elterlichen Geschäft. Am 10. November 1938 wurde er im Konzentrationslager Buchenwald eingekerkert. Mit seiner Ehefrau Martha geb. Frank (aus Eppingen, Tante von Werner L. Frank) ging er Mitte 1939 nach Mannheim, von wo die beiden am 20. Oktober 1940 zusammen mit 6.500 badischen Juden in das Sammellager Gurs in den französischen Pyrenäen deportiert wurden. Von dort führte ihr Weg am 10. August 1942 über die Zwischenstation Drancy bei Paris in die Vernichtung nach Auschwitz.

Marga Levi (1927-1943)

1927 in Gemünden an der Wohra geboren, verlebte (nach der Scheidung ihrer Eltern) ihre Kindheit bei den Großeltern in Niederaula. Bei den Pogromen im November 1938 sprang Marga in Todesangst aus dem Fenster und verletzte sich dabei schwer. Ihre Spur verliert sich 1943 im Ghetto Riga. Die Darstellung ihres Schicksals basiert auf dem fiktiven Tagebuch von Daniela Eckstein.

Ilse Linz-Wischnia (1927-

1927 in Rotenburg geboren, ab 1936 mit der Familie in Frankfurt, 1939 mit Kindertransport nach England, dann in die USA (Chicago). Ihr Vater Hermann Linz II heiratete Lieschen, Tochter des jüdischen Lehrers Baruch Rosenstein (Vorfahren aus Niedenstein) und dessen Ehefrau Bettie geb. Müller (aus Herleshausen). Großvater Meier Linz führte am Rotenburger Steinweg einen Handel mit Textilien, Manufakturwaren und Möbel, den Urgroßvater Feist Linz begründet hatte. Ilse erzählt ihre Lebensgeschichte und die ihrer Vorfahren in der Form eines langen Briefes an ihre Enkeltöchter Elizabeth und Stephanie O’Connell sowie Abigale und Beth Wischnia in Connecticut.

Markus Linz (1800-1884)

Um ihn rankt sich die Mundarterzählung vom „Markusdeech“, mit der über Generationen die massiven Ausschreitungen des Jahres 1848 gegen die Rotenburger Juden als tragikomische Vorkommnisse, als fehlgesteuerte Randale der bäuerlichen Bevölkerung aus den benachbarten Dörfern verzerrt überliefert wurden. Erst durch massiven Militäreinsatz konnten die von März bis Juni 1848 anhaltenden antijüdischen Ausschreitungen unterbunden werden.

Sophie Linz-Rosenfeld (1916-2006)

in Rotenburg aufgewachsen, flüchtete Ende 1939 nach England, wo sie als Krankenschwester ausgebildet wurde. Nach dem Krieg ging sie in die USA (Long Beach, Kalifornien). Ihren Lebensweg, den ihrer Familie in Rotenburg (Kaffeerösterei in der Breitenstraße) und der Vorfahren in Frielendorf präsentiert sie in einer Tonbandaufzeichnung. Sophies Eltern, Hermann Linz und seine Frau Fanny geb. Plaut, wurden Opfer des Holocaust, Bruder Erwin/Joseph gelang 1936 die übersiedlung ins damalige Palästina, wo er den Namen Ilan annahm. Sein Sohn Uri Ilan ist der einzige Nachkomme der Rotenburger Familie von Hermann Linz I.

Hans Löwenberg > Hans Lowenberg (1914-2004)

Ihm gelang 1937 die Emigration ins damalige Palästina. Für die Aufnahme in einem Kibbuz in der Nähe von Haifa hatte er sich durch eine landwirtschaftliche Ausbildung (Hachscharah) qualifiziert. Seinen Heimatort Schenklengsfeld, in dem seine Vorfahren seit Generationen ansässig gewesen waren, hatte er im Frühjahr 1934 fluchtartig verlassen, nachdem er sich dort gegenüber Angriffen durch NS-Aktivisten handgreiflich zur Wehr gesetzt hatte. 1942 heiratete er die aus Wilhelmshaven stammende Marga Löw. Während des Zweiten Weltkriegs diente Hans Löwenberg in der Jewish Brigade, einer Teileinheit der 8. Britischen Armee, später in den israelischen Streitkräften. 1951 wanderte er mit seiner Familie in die USA aus, wo er sich im Bundesstaat New Jersey bis zum Geschäftsführer einer kleinen Supermarktkette emporarbeiten konnte. Seinen Ruhestand verbrachte Hans Löwenberg in Davis/Kalifornien. Hans Löwenberg war der erste Schenklengsfelder Jude, der nach 1945 den Weg in die alte Heimat zurück suchte. Nicht mit dem Ziel des Vergessens, sondern das Vergangene für die nachfolgenden Generationen zu dokumentieren. Er war maßgeblich an der Buchveröffentlichung „Geschichte der Jüdischen Gemeinde Schenklengsfeld" (erschienen 1988) beteiligt. Die von ihm verfassten Kapitel über das Alltagsleben und die religiösen Sitten und Gebräuche der Schenklengsfelder Juden sind in unserer Darstellung weitgehend vollständig erfasst.

Martin Löwenberg > Martin Lowenberg (1928-

1928 in Schenklengsfeld geboren, jetzt Southfield/Michigan (USA), wurde 1941 mit Eltern und Geschwistern von Fulda aus nach Riga deportiert. Während die Zwillingsbrüder Fritz und Kurt ebenso wie seine Eltern in Auschwitz ermordet wurden, überstanden Martin und seine Schwester Eva mehrere Konzentrations- und Arbeitslager, ehe sie bei Kriegsende durch eine Rot-Kreuz-Intervention nach Schweden kamen. Im Eingang zur ehemaligen Mikwe in Rotenburg (Erinnerungs- und Begegnungsstätte) hängt eine von ihm gestaltete Mesusa (Haussegen), in der Dauerausstellung sind seine Gebetsriemen (tefillin) zu sehen. Mit Unterstützung durch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung hat Martin Loewenberg in den Jahren 2005, 2007 und 2009 in zahlreichen Vorträgen über seine Erfahrungen in Nazideutschland und seinen Aufenthalt in einer Reihe von Konzentrationlagern berichtet.

Isfried Neuhaus (1925-

Hinweis: Die ersten drei Seiten dieses Kapitels sind den Vorfahren und Eltern von Isfried Neuhaus gewidmet.

 

"A Collection of Thoughts and Memories" hat Isfried Neuhaus seine 1997 publizierten Lebenserinnerungen genannt, die eine wesentliche Quelle für unseren biographischen Abriss darstellen. Isfried Neuhaus kam im Sommer 1933 als Achtjähriger mit Eltern (David Neuhaus und Frieda, geb. Katz) in die USA, 1934 folgten ihnen die Großeltern (Baruch Katz und Sara geb. Nussbaum). Dies wurde der Baumbacher Familie dadurch ermöglicht, dass sie Aufnahme bei nahen Verwandten (mehrere Geschwister der Heinebacher Großmutter) in New Jersey (East Amwell Township) fanden, die schon im 19. Jahrhundert emigriert waren. 1935 übersiedelte die Familie nach New York, wo Isfrieds Vater im Stadtteil Bronx Arbeit finden konnte. Von 1943 bis 1946 diente Isfried Neuhaus in der US-Army, sein Kriegseinsatz führte ihn in den südpazifischen Raum. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft arbeitete Isfried Neuhaus bis zu seinem Ruhestand 1995 als Steuerberater (Certified Public Accountant) in New York. Isfried Neuhaus lebt mit seiner Frau Margot im Bezirk Washington Heights im äußersten Norden Manhattans, dem ehemaligen Zentrum deutsch-jüdischer Einwanderer der 1930er Jahre.

Dr. Leopold Neuhaus (1879-1954)

in Rotenburg geboren und aufgewachsen, lehrte am Frankfurter Philanthropin. Er war der letzte Rabbiner der alten Jüdischen Gemeinde Frankfurts bis zu seiner Deportation 1942 nach Theresienstadt, wo er zusammen mit dem Rabbiner Leo Baeck überlebte. 1945/46 war er der erste Rabbiner der neuen Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, zugleich auch Oberrabbiner für ganz Hessen. Von 1946 bis zu seinem Tod 1954 wirkte er als Rabbiner der Gemeinde Gemiluth Chassodim in Detroit, Michigan (USA). Seine Frau Cilly (1884-1968) stammte aus der berühmten Rabbinerfamilie Carlebach. Sohn Ralph Neuhaus (1909-1990) trat als Rabbiner in die Fußstapfen seines Vaters. 47 Jahre lang diente er als Rabbiner der Ohav-Sholaum-Gemeinde in Manhattan.

Jakob Nussbaum (1873-1936)

wurde 1873 in Rhina geboren, dem Ort, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine jüdische Bevölkerungsmehrheit hatte. Nussbaum trug wesentlich dazu bei, dass sich der impressionistische Malstil in Deutschland durchsetzte. Er war einer der führenden impressionistischen Maler, der aber auch andere zeitgenössische Strömungen aufgriff. Er kooperierte eng mit Max Liebermann, zehn Jahre lang war er Vorsitzender des Frankfurter Künstlerbundes, ehe er im Oktober 1933 ins damalige Palästina flüchtete, wo er sich in Tiberias am See Genezareth niederließ. Dort waren ihm nur drei weitere Lebensjahre vergönnt. Jakob Nussbaums künstlerisches Lebenswerk fand seine Würdigung in Claudia Müllers Monographie, auf die sich unsere Darstellung weitgehend stützt.

Leo Oppenheim (1903-1980)

Er war Schüler des Hersfelder Gymnasiums von 1913 bis 1919. Seit Mitte der 1920er Jahre wohnte er mit seiner Mutter in Bebra, Pfarrstraße 21. Hier richteten die beiden einen Handel mit Manufakturwaren ein. Leos Vater Simon Oppenheim war als 34-Jähriger bereits 1907 in Hersfeld verstorben. Am 12. November 1938 wurde Leo Oppenheim in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar deportiert, aus dem er erst am 12. April 1939 entlassen wurde. Nach der Ausreise nach England am 1. August 1939 musste er die zweite Jahreshälfte 1940 als enemy alien, als „feindlicher Ausländer", in englischen Internierungslagern verbringen, ehe er nach Australien abgeschoben wurde. Seine aus Eisenach stammende Ehefrau Marie geb. Ochs gehörte zu den am 30. Mai 1942 aus Bebra ins Vernichtungslager Sobibor deportierten Juden, seine Mutter Johanna geb. Abraham kam im September 1942 ins Ghetto Theresienstadt und von dort in das Vernichtungslager Treblinka. 1948 heiratete Leo Oppenheim in Melbourne die aus Ahaus bei Münster stammende Ilse de Jong. Ihren Lebensunterhalt bestritten die beiden mit dem gemeinsamen Vertrieb von Damen- und Kinder-Unterwäsche auf Märkten im Umkreis von Melbourne.

Manfred Oppenheim > Moshe Naveh (1924-

geboren in Rotenburg 1924, wuchs in Bad Hersfeld auf, wo die Eltern eine koschere Metzgerei betrieben, ehe die Familie 1936 nach Palästina flüchtete, wo Manfred Oppenheim später den Namen Moshe Naveh annahm. Er wurde zu einem der maßgeblichen Spezialisten des Staates Israel bei der Erschließung neuer Wasserquellen. Sein Sohn Eyal Naveh gehört als Verfasser von schulischen Lehrwerken zu den „new historians“, die den israelisch-palästinensischen Konflikt durch Vermittlung des jeweils anderen Blickwinkels zu entschärfen hoffen („Learning Each Other’s Historical Narrative“).

Manfred Moshe Oppenheim (1926-

Er ist der Sohn des Fellhändlers Samuel Oppenheim in Niederaula, wo er als Schüler ein feindseliges Umfeld erlebte. Auch die Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung im November 1938, bei denen sein Großvater und seine Schwester Ruth schwer misshandelt wurden, sind ihm stets vor Augen geblieben. Mit dem letzten Kindertransport gelangte er als 12-Jähriger im Dezember 1939 ins damalige Palästina. Seine Eltern und seine beiden Schwestern (Ruth und Grete) wurden Mordopfer der Shoa. Manfred Oppenheim, der in Israel den Vornamen Mosche wählte, lebt in Tel Aviv. Die Niederaulaerin Heidi Rößing hat die Materialien zu der vorliegenden Darstellung zur Verfügung gestellt, die auf Berichten von Manfred Oppenheim basieren.
In Vorbereitung

Siegfried Oppenheim > Prof. Daniel Penham (1914–2000)

Siegfried Oppenheims Elternhaus hatte in der Reichsstraße 1 in Bad Hersfeld gestanden Im März 1933 legte er am Hersfelder Gymnasium (Alte Klosterschule) die Reifeprüfung ab. Wenige Monate später floh er vor den Nationalsozialisten nach Besancon (Frankreich), nach der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen konnte er sich 1941 durch Ausreise in die USA retten, von wo er 1945 als amerikanischer Soldat und Mitarbeiter im US-Geheimdienst nach Deutschland zurückkehrte, nach Namensänderung als Daniel Penham. Zu seiner großen Enttäuschung hatte er nur sehr begrenzten Erfolg bei seinen Bemühungen, den Neuaufbau der Universität Heidelberg ohne ihre Aktivisten im Dritten Reich zu organisieren. Er konnte zwar dazu beitragen, dass einige stark belastete Professoren aus ihrem Lehramt entfernt wurden, sah sich jedoch bald nicht nur einer Phalanx deutscher Hochschullehrer gegenüber, die sich als Opfer des untergegangenen Herrschaftssystems darstellten, keinesfalls aber Nutznießer, geschweige denn Unterstützer oder Täter gewesen sein wollten. 1964 erhielt er an der Columbia University in New York eine Professur für Französische und Romanische Philologie. Als Wissenschaftler machte sich Penham einen Namen durch seine Studien über den Renaissance-Philosophen Budé bzw. Budaeus. Dessen Monumentalwerk De transitu Hellenismi ad Christianismum übersetzte er ins Englische, dann auch ins Französische und betreute eine kritische Ausgabe des Werkes.

Walter Oppenheim > Zev Katelev (1915 –

war der Sohn des jüdischen Lehrers Siegfried Oppenheim, der aus Nentershausen stammte und an der jüdischen Schule in Wehrda wirkte, ehe er nach deren Auflösung 1919 nach Rhina kam. Am 23. Juni 1934 stürmten 15 SS-Männer die Oppenheimsche Wohnung in Rhina und raubten die von Siegfried Oppenheim zusammengetragenen Dokumente zur Geschichte der Juden in der Region. Walter Oppenheim kam 1945 als US-Soldat nach Rhina. Nach seiner Einbürgerung in Israel nahm er den Namen Zev Katelev an. In den 1980er Jahren unterstützte er Peter und Renate Chotjewitz bei deren Aufarbeitung von Rhinas jüdischer Geschichte. In unserer Darstellung kommt Walter Oppenheim als wichtige Quelle für das fiktive "Tagebuch der Judeneich" zu Wort.

Heinz Harry Rothschild (1921–2004)

Die Rothschilds kamen Ende des 19. Jahrhunderts aus Weiterode (jetzt Stadtteil von Bebra) in die damalige Kreisstadt Rotenburg an der Fulda, wo Joseph Rothschild und sein Sohn Isaak (der Großvater von Heinz Harry) am Marktplatz 9 eine Farbenhandlung einrichteten. Albert Rothschild, der Vater von Heinz Harry, heiratete 1920 die Schweizer Jüdin Irma Dreifuß, die er während seiner Kriegsgefangenschaft kennengelernt hatte. Von Alberts 8 Geschwistern starben vier eines gewaltsamen Todes: zwei Brüder (Hermann und Joseph) als Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg, zwei seiner Schwestern (Recha und Selma) wurden Mordopfer der Shoa. Mit ihren Kindern Heinz und Thea gelang Albert und Irma Rothschild im Juni 1938 die Ausreise in die USA, wo Heinz als Handelsvertreter seinen Lebensunterhalt verdiente. Hierbei kam ihm zugute, dass er von 1935 bis 1938 eine kaufmännische Ausbildung in Frankfurt erhalten hatte. Dreimal kam Heinz R. nach 1945 in seine Heimatstadt zurück, das letzte Mal im Mai?? 1996, zusammen mit seiner Tochter Karen. Bei dieser Gelegenheit konnten ausführliche Gespräche mit ihm geführt werden, welche als Grundlage für dieses Kapitel dienen. Sein 1930 geborener Neffe Joseph Rothschild lehrte ab 1955 an der renommierten Coumbia University in New York als Professor für Politikwissenschaften und osteuropäische Geschichte, in den 1980er Jahren gehörte er zum außenpolitischen Beraterkreis von US-Präsident Jimmy Carter.

In Vorbereitung.

Jakob Rothschild (1898-1991)

wuchs in Oberaula auf. Im Mai 1928 eröffnete er in der Oberen Frauenstraße in Bad Hersfeld ein Ladengeschäft mit Manufaktur- und Weißwaren. Seine 1928 geheiratete Frau war die aus Rotenburg stammende Johanna Linz. Im September 1937 fanden die Rothschilds im Raum Chicago eine neue Heimat. Jakob Rothschilds Nichte Marga Spiegel, Tochter seines Bruders Siegmund (für ihn und seine Frau wurden im November 2007 in Oberaula sog. Stolpersteine verlegt), überlebte die Nazizeit im Versteck im Münsterland. Näheres zu Marga Rothschild Spiegel.

Moritz Moses Morris Rothschild (1873–1943)

war 1884 mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nach Amerika ausgewandert, blieb jedoch seiner Heimatstadt weiterhin treu verbunden. In Amerika nahm er den Vornamen Morris an. Nach Jura- und Betriebswirtschaftsstudium führte ihn sein beruflicher Weg ins Druckereigewerbe. Er wurde Chef von großen Druckereien in Chicago sowie einer Papierfabrik und einer Stickerei. Seine betriebswirtschaftlichen Erkenntnisse hielt M. M. Rothschild in dem 1912 verfassten Ratgeberbuch Bank Advertising fest. Ehrenämter blieben für den erfolgreichen Geschäftsmann und Unternehmer nicht aus. Man berief ihn zum Vorsteher seiner Jüdischen Gemeinde in Chicago und zum Direktor der Jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen Chicagos. Der renommierte Idlewild Country Club wählte ihn zu seinem Präsidenten. In Zeiten der Not in den 1920er Jahren betätigte sich M. M. Rothschild in vielfacher Weise als Wohltäter für bedürftige Personen und soziale Einrichtungen in seiner Heimatstadt. U. a. spendete er für die Diakonissenstation und für einen Spielplatz mit Planschbecken im Sankt-Georgs-Kindergarten, dessen damalige Besucher ihn als „Spendenonkel aus Amerika“ in Erinnerung haben. 2010 wurde der Verbindungsweg zwischen der Heinz-Meise-Straße und dem unteren Eingang zum Jüdischen Friedhof in Rotenburg nach Moritz Rothschild benannt – mit der erläuternden Tafel: „Wohltäter seiner Heimatstadt“. M.M. Rothschilds Ahnenreihe lässt sich über mehrere Generationen verfolgen. Sein Urgroßvater David Marcus war am 18. Januar 1792 als Schutzjude in Rotenburg aufgenommen worden, den Namen Rothschild für sich und seine neunköpfige Familie hatte er 1808 angenommen.

In Vorbereitung

Bertha Beryl Sommer-Simon (1917-

Bertha genannt Bertel Sommer war die Einzige aus ihrer Richelsdorfer Familie, die vom Holocaust verschont wurde, und zwar durch die Eheschließung im Februar 1939 in Durban in Südafrika. Den Heiratsantrag hatte der Jahre zuvor nach dort geflüchtete Arthur Simon gestellt, den sie 1932 bei einem Verwandtenbesuch in Langenselbold kennengelernt hatte. Die Sommers hatten 1934 ihre Richelsdörfer Heimat verlassen, um in der Anonymität der Großstadt Frankfurt am Main in einem weniger feindlichen Umfeld zu leben. Alle Versuche, die in Deutschland zurückgebliebenen Familienmitglieder nachkommen zu lassen, scheiterten an bürokratischen Hindernissen.

In Vorbereitung

Siegfried Sommer (1859-1925)

geboren in Rotenburg und dort aufgewachsen, war als Mitschüler am Kasseler Friedrichsgymnasium eng befreundet mit dem späteren Kaiser Wilhelm II. Eine Vielzahl von Briefen mit begeisterten Schilderungen dieser Freundschaft ist überliefert. Siegfried Sommer war einer der erfolgreichsten jüdischen Juristen im Staatsdienst, kurz vor seinem Tod 1925 avancierte er zum Senatspräsidenten beim Oberlandesgericht Frankfurt.

Ilse Speier > Yehudith Epstein (1932 -

entstammt einer über Generationen in Rotenburg ansässigen Familie, die 1927 im Haus Breitenstraße 16 ein Ladengeschäft mit einem breiten Warensortiment einrichtete. Dies war auch die Adresse ihres Großonkels gewesen, des "Königlichen Hofschlossermeisters" Moses Gans. Ilses Vater Adolf Speier war in der Rotenburger Feuerwehr ebenso engagiert dabei wie beim Roten Kreuz. Per Kindertransport kam Ilse im März 1940 nach Jerusalem. Seit ihrer Verehelichung trägt sie den Namen Yehudith Epstein, mit Ehemann Haim Epstein lebt sie seit Jahrzehnten im Kibbuz Saad hart an der Grenze zum Gazastreifen.

Siegfried Fred Speier (1916-1996)

Siegfred (Fred) Speier wurde am 19. März 1916 in Niederaula geboren und verlebte dort eine glückliche Kindheit. Sein Vater Sally Speier betrieb in der Ziegenhainer Straße in Niederaula bis 1938 ein Ladengeschäft für Manufaktuwaren, Porzellan- und Haushaltswaren. Erinnerungen an das Leben in dörflicher Gemeinschaft kommen ebenso zur Sprache wie die bitteren und demütigenden Erfahrungen der Diskriminierung und Verfolgung unter der Naziherrschaft. Im Januar 1935, mit 18 Jahren, gelangte er nach Louisville im US-Bundestaat Kentucky, wo er ein Geschäft für Eisenwaren und Elektrogeräte gründete. Im Dezember 1938 gelang Siegfried (in Amerika: Fred) Speiers Eltern die Flucht zu ihrem Sohn nach Louisville. 1958 war Fred Speier erstmals wieder an dem Ort seiner Kindheit, den er noch weitere fünfmal aufsuchte. Bei seinem letzten Besuch im Juni 1994 kam es zu einer Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in Niederaula und dem Setzen einer Gedenkplatte. Berichtet wird auch von dem Besuch des ehemaligen Niederaulaer Pfarrers Karl-Werner Brauer in Kentucky im Juni 1990, als dieser die Ernennung zum Ehrenbürger Louisvilles für seine Erinnerungsarbeit entgegennehmen konnte. Die Darstellung stützt sich im Wesentlichen auf das, was Fred Speier auf schriftlichem und mündlichen Weg an Heidi Rößing (Niederaula) weitergegeben hat.

Marga Spiegel (1912-

kam am 21. Juni 1912 als Tochter von Siegmund Rothschild in Oberaula zur Welt, wo ihre Familie über drei Jahrhunderte verwurzelt war. Durch Eheschließung mit dem Pferdehändler Siegmund Menne Spiegel gelangte sie im Januar 1937 nach Ahlen ins Münsterland. Von Februar 1943 bis zum Kriegsende 1945 wurde sie von westfälischen Bauernfamilien versteckt, ebenso ihr Ehemann und die Tochter Karin. Marga ist eine Tante von Paul Spiegel, sel. A., des ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Margas Jahre im Versteck sind in einem Spielfilm dargestellt, der 2009 mit dem Titel „Unter Bauern“ produziert wurde - mit Veronica Ferres in der Hauptrolle als Marga Spiegel, Armin Rohde als Siegmund Spiegel und Luisa Mix als Tochter Karin. Für Margas Vater Siegmund Rothschild wurde im November 2007 ein sogenannter Stolperstein vor dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus der Spiegels in Oberaula verlegt. Barbara Greve integriert die Darstellung des Lebensweges von Marga Spiegel in Aspekte der jüdischen Geschichte von Oberaula.

Samuel Spiro (1885-1960)

geboren 1885 in Schenklengsfeld, Kreis Hersfeld, schildert seine „Jugenderinnerungen aus hessischen Judengemeinden“ (abgedruckt in den „Lebenszeugnissen deutscher Juden 1780-1945“, hg. von Monika Richarz). Samuel Spiros Autobiographie gilt auch dem Wirken seines Großvaters Herz Spiro als jüdischer Lehrer in Schenklengsfeld, ebenso wird die Lehrertätig seines Vaters Jakob Spiro in Schenklengsfeld und Fulda dargestellt. Den vom Vater aufgezwungenen Besuch der streng orthodoxen Breuer-Jeschiwa in Frankfurt brach Samuel Spiro bald ab, um Medizin zu studieren.

Ellen Stepak (1947-
Ellen Stepak geb. Goldenberg Jahrgang 1947) wuchs in Huntington im US-Bundesstaat Indiana auf. Nach Abschluss ihres Studiums ging sie 1969 nach Israel. Seit 1995 verfolgt sie die Spuren ihrer Ahnen und der ihres Ehemanns Zvi Stepak in Pinsk (Weißrussland), Belozerka (Ukraine), Kupiskis und Bebalninkas (Litauen) sowie Lodz (Polen). In besonderer Weise galt und gilt diese Arbeit weiterhin für die aus Deutschland stammende und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA gelandete Ahnenreihe mit den Namen Gotthelf aus Hofgeismar und vor allem Werthan aus Rotenburg. Auch Vertreter der Familien Apfel (Bebra) und Kaiser (Heinebach) zählen zu ihren Vorfahren. Neben der Mitarbeit bei der Dokumentation jüdischer Friedhöfe in Osteuropa hat sie Erfahrungen und Erkenntnisse aus ihrer familiengeschichtlichen Arbeit in einer Reihe von Aufsätzen in Fachmagazinen veröffentlicht. Für das Internetprojekt der Hassia Judaica (www.hassia-judaica.de) hat sie die hebräischen Inschriften aller 100 Grabsteine des jüdischen Friedhofs in Bebra transkribiert und ins Englische übersetzt. Ebenso war sie an der Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Burghaun-Langenschwarz beteiligt. In der hier als PDF zugänglich gemachten Publikation lässt Ellen Stepak den Leser und Betrachter an ihren Reisen zu ihren hessischen Wurzeln teilhaben. In Rotenburg an der Fulda, Bebra, Heinebach und Hofgeismar wurden diese Touren in die Vergangenheit zu intensiven Begegnungen mit noch heute sichtbaren Lebens- und Wirkungsstätten ihrer Urahnen. Integriert in Ellen Stepaks Darstellung sind Beiträge aus der Feder von Naama Yashuvi-Hayet (über ihre Rotenburger Vorfahren Gustav Werthan und Elka Werthan verh. Rosenthal) und von Libby Werthan mit einem Reisebericht über die Einweihung des Jüdischen Museums in der ehemaligen Mikwe in Rotenburg im September 2006 und mit Details zur Rotenburger Ahnenreihe ihres Ehemanns Moshe Morris Werthan, dessen Rotenburger Urahn Meier Werthan bereits 1856 in die USA emigriert war. Moshe Morris Werthan (jetzt Jerusalem) liefert einen knappen Bericht über seine Familie in Nashville (Tennessee), Susan Murawczyk über ihre Werthans in Leadville und Denver (Colorado) und Sonia Raymond über ihre Werthan-Familie in Oak Park (Illinois). Erweitert gegenüber der Buchfassung ist das PDF durch die Schilderung des Holocaustschicksals von Alfred Werthan, der 1943 von Berlin aus nach Auschwitz in den Gastod geschafft wurde.

Benjamin Stiefel (1872 -1945)

war der letzte jüdische Lehrer in Baumbach (jetzt Ortsteil der Gemeinde Alheim). Er stammte aus dem Meißnerort Abterode, vor Baumbach war er Lehrer an der jüdischen Schule im westfälischen Werher gewesen. Sein Sohn Joseph (geb. 1910) gehörte zu den nach Dänemark entkommenen deutschen Juden, die sich im Oktober 1943 in abenteuerlicher Flucht in Fischerbooten über den öresund nach Schweden retten konnten. Die Söhne Bruno (geb. 1907) und Herbert (1915) schafften 1935 die Ausreise in die USA. Herbert machte sich einen Namen als Spezialist für Reißverschlüsse, in der 38th Street in New Yorks Stadtteil Manhattan richtete er ein Spezialgeschäft mit Werkstatt für Reißverschlüsse ein. Als „Zipperman“ wurde er zu einer gewissen Berühmtheit. Das Magazin The New Yorker widmete ihm 1987 ein mehrseitiges Porträt.

Marga Strauss (1928-1943) & Manfred Strauss (1931-1943)

Die von Elisabeth Sternberg-Siebert erarbeitete Darstellung „Auf den Spuren jüdischen Lebens in Burghaun“ gibt einen überblick über Burghauns lokale jüdische Geschichte und Tradition. Dabei begegnen wir mehreren Generationen der Familie Strauss. Mit dem Titel „Following the Tracks of Jewish Life in Burghaun. A Work of Remembrance“ existiert auch eine englische Fassung.

Joseph Strauss (1895-1965)

Die Kaufmannsfamilie Strauß veranschaulicht beispielhaft die Schicksalswege der Hünfelder Juden. Die Familie stammte aus Rothenkirchen, in Hünfeld betrieb die Familie in der Fuldaer Straße ein gut gehendes Lebensmittelgeschäft. Joseph Strauß’ Sohn Alfred, der im Versteck in Holland überlebte, kommt in Elisabeth Sternberg-Sieberts Darstellung ausführlich zu Wort, ebenso Josephs Frau Lilli (geb. Wertheim) aus Naumburg bei Kassel. Lilli Strauß hinterließ erschütternde Schilderungen ihrer Deportation nach Riga im Dezember 1941.

Karl Tannenbaum (1878-1950)

seine Frau Malchen (geb. Schloss) aus Gleicherwiesen/Thüringen, die Töchter Rosi und Luise verh. Klein und Schwiegersohn Leopold Klein sowie zwei Enkelkinder gingen am 13. Mai 1939 an Bord der St. Louis. Ihr Weg führte aber nicht in die Freiheit, sondern über das holländische Sammellager Westerbork ins Ghetto Theresienstadt.

Morris (Moshe) Werthan (1937-

(geb. 1937 in Nashville/Kentucky, jetzt Jerusalem/Israel) wusste lange Zeit nur, dass Vorfahr Meier Werthan irgendwann aus Deutschland gekommen war und in Nashville den Grundstein für eine bedeutende Produktionsstätte von Verpackungsmaterial gelegt hatte, die auch den Hintergrund für Szenen des Spielfilms „Driving Miss Daisy“ (dt.: „Miss Daisy und ihr Chauffeur“) lieferte. Der 27-minütige Dokumentarfilm mit dem Titel „Crossing the Narrow Bridge“, 2007 von David Blumenfeld und Libby Rosenblum Werthan produziert, verfolgt Moshe Werthans Spurensuche, die ihn nach Rotenburg an der Fulda führte, von wo der Urahn Meier Werthan 1865 emigriert war.

In Vorbereitung

Hugo Wertheim (1854-1919)

aus Rotenburg-Lispenhausen, emigrierte 1875 nach Melbourne/Australien, wo er sich zunächst als Großhändler für Nähmaschinen aus der Produktion seines Onkels Joseph Wertheim betätigte. 1908 gründete er in Melbourne-Richmond die Klavierfabrik Wertheim, die in den folgenden Jahrzehnten an die 20.000 Klaviere baute.

 

In Vorbereitung

Joseph Wertheim (1834-1899)

gründete 1868 in Frankfurt-Bornheim eine Nähmaschinenfabrik mit eigener Eisengießerei, 1873 umgewandelt in die Aktiengesellschaft Deutsche Nähmaschinen-Fabrik von Jos. Wertheim. 1883 wurden 35000 Wertheim Nähmaschinen als Jahresproduktion gefertigt – von 600 Arbeitern. Joseph Wertheim kam aus Rotenburg an der Fulda, wo sein Vater Leiser Wertheim einen Garn- und Leinenhandel betrieb. In dem „Mechanisch-mathematischen Institut“ Breithaupt in Kassel absolvierte Joseph Wertheim eine Mechanikerlehre. Das Rüstzeug für den Aufbau einer Nähmaschinenfabrik erwarb er in der Nähmaschinenfabrik Weeler und Wilson in New York. 1932 ließen seine Nachfolger die Fabrikationseinrichtungen nach Barcelona verlegen, wo sie in die von Carlos Vallin (alias Karl Wertheim) geleitete Fabrik „Rapida S. A.“ integriert wurden. 1943 übernahm die Olivetti-Gruppe das Unternehmen, das sich mittlerweile auf die Produktion von technisch hochwertigen Produkten in den Bereichen EDV, Logistik und Haushaltstechnik konzentriert und heute zu den führenden spanischen Firmen in diesen Sparten zählt.

Julius Wetterhahn (1901-1991)

1901 in Bad Hersfeld geboren, wo er 1920 das Abitur ablegte, studierte in Frankfurt Chemie und wurde dort 1929 promoviert. Er verließ Nazi-Deutschland im August 1938 und fand Aufnahme in den USA, wo er zum Chefchemiker bei der Parfümfirma Helena Rubinstein aufstieg. Sein Vater Max Wetterhahn, geb. 10. September 1870, war das erste Kind, das in Hersfeld nach dem Ende der Zuzugsbeschränkung zur Welt kam.

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